Vorwort zur Chronik der KG Böse Buben Birgel
Im Jahr 2015 feierte die KG Böse Buben Birgel ihr 5 x 11 jähriges Jubiläum. Dies war für uns der Anlass, doch einmal die Entstehung der Karnevalsgesellschaft „Böse Buben Birgel“ zu durchleuchten und herauszufinden, wie denn alles begonnen hat und sich weiterentwickeln konnte.
Schnell stellte sich heraus, dass dies keine leichte Aufgabe sein wird, da keinerlei schriftliche Dokumente aus dem Zeitraum 1960 – 1972 vorliegen. Denn die Gründungsmitglieder hatten gar nicht vorgehabt, einen „formaljuristischen Verein“ zu gründen. Dieses wurde erst in den Siebzigerjahren realisiert. Es sind auch keinerlei Gründungsmitglieder mehr aktiv dabei, sie sind teilweise verzogen oder bereits verstorben.
Mancher Aktive wusste noch das ein oder andere vom Hören sagen und weitererzählen. So wurde schnell die Idee geboren, bei den noch lebenden Zeitzeugen der damaligen Gründungszeit vorstellig zu werden und über die Ereignisse der Anfangsjahre zu sprechen. Mit Karl-Heinz Braun, Ernst Jansen, Peter Hansen sowie Walter Siebertz waren 4 Gründungsmitglieder bereit, Rede und Antwort zu stehen. Die Geschehnisse von damals konnten durch Bilder verdeutlicht werden und man erhält ein Bild von dem, was sich damals in Birgel abspielte.
Einem Aufruf an die Birgeler Bevölkerung zur Übergabe vorhandener Bilder aus den ersten Jahrzehnten der Geschehnisse rund um die Bösen Buben folgten leider nur wenige. So sind dies vor allem „noch aktive Mitglieder“, die uns mit Bildern der einzelnen Jahrzehnte unterstützen konnten. Aber nicht nur Bilder verdeutlichen das Geschehen in Birgel, uns liegt ab dem Jahr 1970 eine Auswahl an Presseartikeln vor, die wir Ihnen hier präsentieren möchten. Diese wurden von Hubert Knipprath zur Verfügung gestellt.
Namentlich möchten wir uns bei den bereits erwähnten Herren sowie auch bei Dieter Wunsch, Maria Heinen, Annasibille Schäfer, Ulrike Collip, Bärbel und Gerd Braun, Klaus Schurz, Hardy Helbig, Rainer Nepomuk, Silvia Labroier, Alfons Küpper, Günter Braun, Ruth Frings für die Überlassung zahlreicher Fotos bedanken. Ohne deren Unterstützung wäre diese Präsentation gar nicht möglich gewesen.
Wir präsentieren Ihnen zusätzlich Fotos sowie Presseartikel der einzelnen Sessionen. Diese finden Sie sortiert nach Jahrgängen in der „Prinzengalerie“ bzw. im Menü“ Bilder im Wandel der Jahre“.
Ein umfangreicheres Angebot an Bildern der aktuellen bzw. zurückliegenden Session rundet unser Bemühen der Präsentation der Geschehnisse rund um die KG ab.
Gründungsjahre der KG Böse Buben Birgel – Wie alles anfing…
„Erste Aktivitäten“
„Et is alt widder nix loss he in dem Dörp“, hürt me ihm sage. „Wieso dat dann, mir han doch uss Schötzefess un de Kirmes. Mir han de Theaterverein, de Feuerwehr, et Tamborcourps, de Fußball. Un och et Rode Kreuz is he in Birjel, is dat dann nit jenuch?“ „Jo Jo, dat is ja och richtich. Ävver wat don mir denn op Fastelovend? In der andere Dörpe öm uns eröm jeht överall de Fastelovendszuch, in Lengersdörp bei de Klompe, in Jüzzenich bei de Plüme un dann natürlich in Düren. He in Birjel is jar nix jebacke. Do möht doch ens jet passiere!“
So oder so ähnlich können im Herbst des Jahres 1960 die ersten Überlegungen zur Durchführung eines eigenen Karnevalsumzugs im Ort Birgel ausgesehen haben. Denn es war in der Karnevalszeit nicht viel los. Vereine hielten in den Säälen zwar einen Ball zu Weiberfastnacht ab, das war es aber auch. Und in den umliegenden Orten gründeten sich in den 50ér Jahren Karnevalsgesellschaften, die eigene Veranstaltungen und vor allem einen eigenen „Rosenmontagszug“ organisierten.
Und so entschloss sich im Jahre 1960 ein Freundeskreis, dessen Stammtisch in der Gaststätte Gottschalk zu finden war dazu, ab dem kommenden Jahr, und wenn dieser dann erfolgreich verlaufen sollte, auch in den darauffolgenden Jahren, kostümiert und mit Musik am Orchideensonntag durch den Ort zu ziehen. Dies sprach sich schnell im Dorf herum und die Begeisterung der Birgeler Bevölkerung war riesengroß.
Die Freunde des Stammtisches waren, in alphabetischer Reihenfolge aufgezählt:
Karl-Heinz Braun, Franz Braun, Heinrich Braun, Heinz Decker, Josef Derichs, Ewald Doll, Peter Hansen, Ernst Jansen, Reiner Karl, Otto Kempen, Jakob Kreutz, Karl-Heinz Pauly, Fritz Ronig, Josef Schmitz, Johann Schmitz, Walter Siebertz
Alle waren vom Alter her noch recht jung an Jahren, man traf sich seit den 50ér Jahren regelmäßig in der Gaststätte Gottschalk in der Bergstraße, Sonntags auch zum Karten spielen (Pandur).
Dieser Freundeskreis spielte aber nicht nur Karten, sondern pflegte das gesellige Leben im damals beschaulichen Ort Birgel. Es wurde viel gesungen, teilweise unterhielt man den ganzen Saal. Dies geschah natürlich sehr zur Freude des Gastwirtes, wurde hierdurch die Verweildauer der Gäste verlängert und der Umsatz gesteigert.
Nachdem der Beschluss gefasst wurde, den ersten Umzug im Jahr 1961 durchzuführen, musste dies nur noch umgesetzt werden.
„Der erste Umzug“
Aufgrund der Kürze der Zeit schaffte man es nicht mehr, wie bereits andernorts üblich, eigens für den Umzug Festwagen zu errichten. Es sollte ein Umzug nur mit Fußgruppen durchgeführt werden. Tja, und man hatte bei den ersten Überlegungen auch nicht daran gedacht, eine Tollität zu wählen bzw. zu bestimmen, die den Prinzen Karneval verkörpern sollte. Diese Wahl wurde erst 14 Tage vor Karneval durchgeführt, Karl-Heinz Braun wurde als erster Prinz Karneval bestimmt.
Sein Motto lautete: „Ist der Zug auch noch so klein, wird der Prinz umso größer sein“. Eine Anspielung auf die Größe von Karl-Heinz Braun.
Den Prinzen zu Fuß im Zug mitgehen lassen wollte man dann doch nicht und so kam es dazu, das Otto Kempen seinen VW-Käfer Cabriolet mit dem amtlichen Kennzeichen DN-V-9 hierfür zur Verfügung stellte.
In der Kürze der Zeit schaffte es der neue Prinz auch nicht mehr, sich ein eigenes Prinzengewand zuzulegen.
Ein schwarzer Anzug und ein weißes, kurzärmeliges Hemd mussten genügen. Als Zeichen seiner Prinzenwürde bastelte seine Ehefrau Magdalena ihm aus einem Bambusstab und ein paar bunten Bändern ein Prinzenzepter. Dieses wurde im darauffolgenden Jahr jedoch durch ein handgeschnitztes Holzzepter ausgetauscht, welches die Bösen Buben auch heute noch nutzen.
Der Umzug selber war ein Riesenerfolg, auch ohne Festwagen. Die Stammtischfreunde waren überrascht ob der großen Teilnahme der Bevölkerung. Natürlich hatte der Umzug noch nicht die Größe, wie in späteren Jahren. Die Begeisterung der Birgeler Bevölkerung kannte aber keine Grenzen. Vor allem die Zugteilnehmer, mit ihren herrlichen Kostümen (viele maskierte Möhnen nahmen teil) hatten Riesenspaß.
Auch hatte man bereits mit dem Tamborcourps „Alte Kameraden Birgel“ und eigenen Musikkräften beste musikalische Unterhaltung während des Umzuges.
„Namensgebung“
Wie der Freundeskreis zu dem Namen „Böse Buben“ gekommen ist, kann heute nicht mehr ganz nachvollzogen werden. Jedenfalls waren damit die beiden Lausbuben Max und Moritz nach der Geschichte von Wilhelm Busch gemeint.
Gründungsmitglieder meinen sich erinnern zu können, das einer ihrer Väter in der Gaststätte Gottschalk zu ihnen mal gesagt haben soll „ Do sitze die bösen Buben alt widder und sind am drinke“….
Und wenn man sich deren Streiche einmal genauer anschaut, dann kann man verstehen, weshalb die Birgeler-Freunde „Böse Buben“ genannt wurden. Da blieb so manches Mal kein Auge trocken.
„Ideen“
Die Stammtischfreunde hatten gar nicht vorgehabt, eine richtige Karnevalsgesellschaft ins Leben zu rufen. Sie begrenzten von Anfang an die Mitgliederzahl, die jedoch in den folgenden Jahren mehrmals angehoben wurde. Nur bei einstimmigem Beschluss konnte man neues Mitglied werden, sofern ein anderes ausschied.
Der Freundeskreis wollte ursprünglich nur die Durchführung eines Karnevalsumzuges. Im Jahr 1962 wurde aber anlässlich der Inthronisation von Walter Siebertz eine kleine Kappensitzung im Saale Gottschalk abgehalten. Jedoch sollten die Türen der „Kult-Gaststätte Gottschalk“ schon bald für immer ihre Türen schließen. Man musste sich nach einer anderen Lokalität umschauen.
Da in den umliegenden Ortschaften bereits am Rosenmontag Umzüge stattfanden, einigte man sich auf den Orchideensonntag. Von dieser Tradition wurde bis heute hin nur einmal, im Jahr 1982, abgewichen. Damals wollte sich die Gesellschaft beim Umzug in Düren beteiligen. Dies war jedoch eine einmalige Sache, danach wechselte man wieder zum Orchideensonntag.
„Das Prinzenzepter“
Max und Moritz, diese beiden Figuren begleiten seit damals das Geschehen der Bösen Buben. Als äußeres Zeichen der Prinzenwürde hatte Walter Siebertz als zweiter amtierender Prinz im Jahre 1962 ein von ihm selbst geschnitztes Zepter mit den Köpfen von Max und Moritz, welches heute noch Verwendung findet und unter der Birgeler Bevölkerung „heiß begehrt“ ist, für die Gesellschaft hergestellt.
„Wagenbau, Motor des Zusammenhalts“
Der zweite Streich des berühmten Buches von Wilhelm Busch, wo sie der Witwe Bolte die gebratenen Hühner stibitzten, diente als Grundlage für einen Motivwagen, des legendären „Fresswagens“, später auch „Küchenwagens“ genannt, der viele Jahre beim Umzug mitfuhr. Es wurden jedoch keine Hühner stibitzt, sondern an die Jecken am Wegesrand verteilt. Später tauschte man Hühner und Hähnchen gegen Süßes aus. Muzen und Bier wurden fortan verteilt.
Bereits im Jahr 1962 hatten die Freunde sich entschlossen, mit gleich 2 Festwagen am Umzug teilzunehmen. Zum einen sollte dies der Prinzenwagen sein, zum anderen wählte man für einen weiteren Festwagen aus Motiven von Märchen, Geschichten oder aktuellen Ereignissen diese als Vorlage aus. Die Prinzenwagen hatten teilweise einen direkten Bezug zum jeweiligen Prinzen (so z.B. 1964 als Motiv ein „Keiler“ in Bezug auf den Spitznamen von Reiner Karl, dessen Hobby die Jagd war, 1969 als Motiv ein Boot in Bezug auf das Hobby von Heinz Schneider, 1973 als Motiv ein Hobel in Bezug auf den Beruf von Heinz Decker, 1993 als Motiv eine Ziege in Bezug auf den Spitznamen von Helmut Zilles, 1995 ein Holzschuh (Klompe) in Bezug auf die Herkunft von Matthijs Hendrikse). Man traf sich hauptsächlich am Wochenende auf dem Bauernhof Kempen in der Bergstraße zum Wagenbau. Siehe hierzu den separaten Bericht über den Wagenbau.
Der Wagenbau war auch das, was alle Mitglieder miteinander verband, denn dort bestand Anwesenheitspflicht. Es gab manchen Versuch, sich der Anwesenheit zu entziehen..
Wenn z.B. ein Bauteil fehlte, und war es auch nur eine Schraube, hieß es öfters, „das besorge ich mal eben“ und schon war derjenige stundenlang nicht mehr zu sehen. Aber die Abwesenden machten die Rechnung ohne den Wirt. Denn spätestens nach dem Ende der Session wurden diejenigen durch die legendäre „Wurmsegnung“ für ihr Fehlverhalten vor allen versammelten „Bösen Buben“ getadelt.

Als Mindeststrafe wurde dann ein neues Fass Bier verhängt.
Anfangs zeigte sich Walter Siebertz, später Jakob Kreutz für den Wagenbau hauptverantwortlich. Beide hatten handwerkliches Geschick und gute Einfälle für die Motivwahl. Dies haben beide bei zahlreichen Motivwagen deutlich gemacht.
„Weitere Aktivitäten“
Neben den regelmäßigen Treffen in der Gaststätte Gottschalk und dem Wagenbau gab es zunächst keine weiteren Termine der noch jungen „Karnevalsgesellschaft“. Man traf sich weiterhin an den Wochenenden am Stammtisch und machte gelegentlich gemeinsame Ausflüge. So wurde z.B. an Vatertag mit Musikinstrumenten und Bollerwagen durch die nähere Umgebung gezogen. Und mit Musikinstrumente war auch die Pauke, geschlagen von Walter Siebertz, gemeint. Dieser hatte am Ende des Vatertages immer einen höllischen Spass, sein Erspartes gegen ein neues Trommelfell für die eben genannte Pauke umzutauschen, sprang er doch regelmäßig und immer wieder mit Vergnügen auf diese drauf.
Bei solchen Touren , aber auch immer wieder bei den Stammtischbesuchen wurde gesungen und musiziert. Auch zog man speziell in den letzten Wochen vor Karneval durch die ortsansässigen Kneipen und musizierte, was die Instrumente hergaben.
Dabei kam es auch schon mal vor, dass zur nachtschlafenden Zeit der ein oder andere zu Hause abgeholt wurde mit dem Hinweis, „Hein mir bruche dich un deng Quetsch“. Und Hein fuhr dann mitten in der Nacht mit den Jungs und seinem Akkordeon in die Kneipe.
Überhaupt waren Musik und Gesang ein Hauptmerkmal des gesellschaftlichen Zusammenseins. Speziell in der damaligen Zeit verband das gemeinschaftliche Musizieren und Singen die handelnden Personen untereinander. Mit Arnold Bergs, Josef Schmitz, Heinrich Braun sowie Geord Siebertz hatten die Bösen Buben schnell eine voll funktionsfähige Kapelle beisammen. Und mit Karl-Heinz Braun einen Textdichter, der viele damals bekannte Lieder auf die Birgeler Verhältnisse umdichtete. In Birgel wurde er der „Jussenhofen“ von Birgel genannt (nach dem berühmten Kölner Komponist und Musikverleger Gerhard Jussenhoven). Kein anderer hatte dies so im Blut wie er, die bekannten Lieder auf Birgeler Personen und Gegebenheiten umzudichten.
Das heute immer noch gesungene Vereinslied wurde seinerzeit von ihm textlich bearbeitet.
